Der Bahnübergang in Passow (Uckermark) hat nur noch regionale Bedeutung seitdem die B166 die Bahnlinie und das Tal der Welse auf einer neuen Schnellstraßenbrücke überquert.
Der Bahnübergang berfindet sich am Kilometer 89,232 der Berlin-Stettiner Eisenbahn bzw. heute Bahnstrecke Berlin–Szczecin. Der Ursprung der Strecke liegt im Berliner Nordbahnhof, der polnische Teil hat eine eigene Kilometrierung.
Die DB AG als Eigner von Bahnhofsgebäude und auch Betreiber der in Passow haltenden Züge scheint nicht viel von ihren Kunden zu halten. Anders kann der extrem desolate Zustand des Bahnhofsgebäudes und vor allem der sehr einladende Weg durch die Flure kaum erklärt werden.
Der Bahnhof von Passow (Uckermark) oder früher Passow Kreis Angermünde und die Bahnlinie nach Norden sind ein gutes Beispiel dafür, wie eine Bahnlinie und die Bahnhöfe an ihr durch Grenzverschiebungen und spätere Uneinigkeit bei der Prioritätensetzung in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, obwohl sie früher eine der wichtigsten deutschen Bahnlinien war.
Passow ist eine eigentlich unbedeutende Gemeinde in der schönen Uckermark, erhielt seinen Anschluß an die große weite Welt aber schon mit dem Bau der Eisenbahn von Berlin nach Stettin (Stettiner Bahn). Die Bahnlinie wurde bis 1843 komplett in Betrieb genommen und dadurch eine der ältesten Bahnlinien Deutschlands.
Der Bahnhof Passow selbst hätte ein bedeutender Eisenbahnknoten werden können, da in den ersten Jahren der Existenz der neuen Bahnlinie nach Stettin von hier der Personenverkehr nach Prenzlau und weiter bis in die Hansestädte Greifswald und Stralsund startete. Und so gab es sogar Überlegungen die Bahnlinie nach Stralsund hier beginnen zu lassen. Die Bahnlinie wurde dann allerdings von Angermünde aus gebaut (Angermünde-Stralsunder Eisenbahn – 1863) und Passow versank wieder in der relativen Bedeutungslosigkeit.
Ein Bahnknoten wurde Passow dann ca. 100 Jahre später als die Bahnstrecke Passow–Schwedt gebaut wurde, die das PCK Schwedt anschloß.
Nach dem Krieg trennte kurz vor Stettin (jetzt Szczecin) eine Grenze die Strecke und das „zweite Streckengleis wurde im Zuge von Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert“ (wikipedia). Die Strecke litt dann unter dem Geldmangel der Nachkriegszeit und später unter den Spannungen innerhalb des Ostblocks. Immerhin wurde die Strecke bis Passow (bzw. weiter zum PCK) elektrifiziert und ist bis Passow auch wieder zweigleisig.
Dahinter geht es allerdings teilweise im Schneckentempo und immer noch nur eingleisig voran. Die Fahrt auf der Strecke ist dadurch allerdings auch ein Erlebnis, da man in den Triebwagen das Gefühl hat auf einem Kamel zu reiten oder auf einem Schiff durch raue See zu steuern.
Das alles erklärt aber nicht, warum die Bahnstrecke heute immer weiter in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Jetzt wo Deutschland und Polen in der EU sind und vor allem sowohl Berlin als auch Szczecin von einer schnelleren Verbindung profitieren könnten.
Interessanterweise hat sich auch die Märkische Oderzeitung des Themas angenommen und einen Tag, nachdem ich diese Bilder aufnahm einen Artikel zum Thema geschrieben: Eisenbahn im Niedergang * Unbegreifliches Versagen
Der RE 3 fährt nur alle zwei Stunden durch bis Schwedt, zum Ausgleich fährt in der Zwischenstunde ein Triebwagen zwischen Angermünde und Schwedt, früher waren es 628er, heute sind es bei Stadler gebaute GTW 2/6.
Die Bilder zeigen den Triebwagen bei der Einfahrt in den Bahnhof von Angermünde.
Früher standen abgestellte Loks im Bahnhof Angermünde im BW hinter der Straßenbrücke. Seitdem die Liegenschaft und das Fahrmaterial aber verschiedenen Eignern gehören, stehen die Loks im Bahnhofsgebiet verstreut und die Liegenschaften gammeln vor sich hin.
Heute traf ich in Bahnsteignähe zwei sogenannten Energiecontainer (BR 155, ehemals DR 250 – 155 096-1 / NVR: 9180 6 155 096-1 D-DB und 155 208-2 / NVR: 9180 6 155 208-2 D-DB) und eine Lok Reihe 185 von BASF (185 610-3 / NVR: 91 80 6185 610-3 D-RBSAF). Weiter hinten stand noch eine Ludmilla der Leipziger Eisenbahn.
Als größerer Bahnhof verfügt Angermünde über eine Vielzahl von Stellwerken im Bahnhofsbereich, die seit dem Bau und der Inbetriebnahme des ESTW Angermünde aber alle arbeitslos sind. Interessant bei allen Klinkerbauten rund um Angermünde ist in meinen Augen auch die sehr dunkle Farbe der Steine.
Für Eisenbahnfans dürfte auch die Suche nach: ESTW Angermünde einige interessante Ergebnisse und Dokumente bringen: Suche nach ESTW Angermünde bei google